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Web 2.0 macht abhängig

Sehr guter Artikel bei Heise Telepolis zum Thema Abhängigkeits-Internet vor dem Hintergrund der aktuellen flickr-Affäre: TP: Wechsel nicht möglich. Dieser Artikel illustriert den Gedanken, den ich angesichts der ganzen Affäre auch hatte: soziale Netzwerke wie flickr machen abhängig, weil sie sich aufgrund der Vernetzung mit gleichgesinnten Kontakten und der gewachsenen Struktur des eigenen Content-Angebots (Chronologie der Fotos als visual diary, Views, Kommentare, Favoriten, Gruppen) zur zweiten Heimat entwickeln und man bei einem Umzug nicht einfach einen Service verlässt, sondern eine virtuelle Heimat. (Wenn mir mein Hostingprovider nicht passt, ziehe ich mit meinem Wegangebot und meiner Domain um auf einen anderen Server, und meine Umgebung merkt davon nichts, abgesehen vielleicht von ein paar vorübergehenden technischen Problemen beim Umzug.)

Ich habe Anfang der Woche von meinen über 1400 Fotos mehr als 1200 Fotos gelöscht und die verbleibenden in 3 Sets eingeteilt, da ich nicht beabsichtige, meinen im Juli auslaufenden Pro-Account zu verlängern und mich lieber jetzt schon auf die Beschränkungen des Kostenlos-Accounts einstelle. Die Fotos hätte ich nicht löschen müssen, da sie weiterhin auf dem Server geblieben wären und durch Hintertürchen weiterhin zugänglich (denn auch die Bildseiten werden nicht gelöscht, sie sind nur in der Übersicht nicht mehr aufrufbar), aber mir ging es ums Prinzip: nicht Tonnen von Content außerhalb meiner Verfügbarkeit bei einem Anbieter liegen zu haben, dem ich aufgrund sehr schlechter Kommunikationspolitik nicht mehr wirklich vertraue.

Blogs sind besser, was das angeht, denn sie sind ein informelles Netzwerk, lose geknüpft, das auf Veränderungen gut reagieren kann. Mein Wunsch an Web 3.0: mehr Konnektivitäts-Tools, die es ermöglichen, diese losen Cluster plattformübergreifend miteinander zu verbinden. Geschlossene Communities sind eher ein Rückschritt - man erinnere sich an AOL oder Compuserve.

Ich will letztlich kein Angebot, in dem meine Freunde Mitglieder werden müssen, um Kontakt zu halten, ich will eine Verbindung. Die Werkzeuge dafür haben wir schon: RSS, Blogrolls, Blogverzeichnisse. Wir müssen nur konsequent damit umgehen. Vielleicht gibt das dann auch eine Wiederauferstehung der Webringe?

Eine Kehrseite des selbst gehosteten Angebots darf man freilich auch nicht übersehen: Traffic. Wer 1000 Bilder auf dem eigenen Webspace hostet, wird unter Umständen hohe Providerkosten haben. Auch das wissen Anbieter wie flickr, ipernity, zoomr etc. natürlich - sie bieten den Speicherplatz und das soziale Netz, die User liefern den Content. Und damit ist ein kostenloser User nicht viel weniger wichtig als ein zahlender, denn auch er liefert Content. Um diesen Content aber vermarkten zu können, muss er hochwertig sein - die Welt interessiert sich nicht für verwackelte Handy-Partybildchen oder Ego-Shots.

Geschrieben von Olivia Adler am 20. Juni 2007 in Weblife | Permalink

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» Wechsel nicht mglich from till we *) . Blog
Ich habe die Flickr-Diskussion zum Anlass genommen, ein paar Gedanken ber die Brchigkeit sozialer Netzwerke und die Konsequenzen der Verwendung von sozialen Netzwerken als Grundlage von Web-2.0-Anwendungen zu machen. Wer das nachlesen m... [Mehr erfahren]

verlinkt am 20.06.2007 16:38:57

Kommentare

Gerade was deinen letzten Gedanken angeht: Hier hatte meiner Meinung nach fotocommunity - jetzt hacke ich schon wieder auf denen rum ;-) - die Messlatte etwas zu hoch gelegt. Bei Flickr kippt man einfach alle Schnappschüsse rein und gut. Keiner regt sich auf, wenn da mal ein paar Luschen dabei sind. Bei fotocommunity vergrätzte mich damals, dass die - und hier meine ich die Community, also die User - Qualitätsmaßstäbe anlegten, die kein normaler Hobbyknipser mehr bringen konnte. Da wurde man man gemobbt und runtergeputzt, weil die Bildkomposition mangelhaft, die Farben lau usw. waren. Perfektionisten können einem ganz schön auf den Keks gehen. Wo bleibt da der Spaß? Zumindest da fühlte ich mich bei Flickr immer wohl. Aber auch da wurde ja der Anreiz geschaffen, sich um Qualität und "Interestingness" zu bemühen, um auf die Explore-Seite zu kommen mit einem brillianten Foto. Ich denke, die richtige Mischung aus Hobby-Attitüde und Anreizen für Ehrgeizige sollte da sein, sonst wandern die Geprügelten und Beschämten wie ich irgendwann ab. ;-)

Kommentiert von: Jacqueline Pohl | 22.06.2007 11:14:52

stimmt, bei fc kriege ich fast keine kommentare, obwohl ich schon meine best of ablade... damit bleibt die community immer schön überschaubar. ;-)

Kommentiert von: limone | 22.06.2007 18:46:41

Ich habs gewusst. Nun habe ich noch eine Sucht, Sch....!

Kommentiert von: Marcel | 13.08.2007 16:53:41

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