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Web 2.0, das böhmische Dorf
Wenn man einem Anwender mit der Frage nach Web 2.0 kommt, dann hat der in den wenigsten Fällen schon davon gehört. Was bei Webdesignern und Entwicklern ein gefügeltes Wort ist (oder wahlweise schulterzuckend als der zukünftige Ex-Hype abgetan wird), kennt da draußen in den Weiten Surfdeutschlands kein Mensch. Muss ja auch nicht, solange die neuen Anwendungen funktionieren oder man sie notfalls ignorieren kann.
Im Vorfeld des heutigen Pangora E-Commerce-Kongresses in München machte Pangora, Dienstleister für Produktsuchen im Internet, die Probe auf's Exempel und fragte 82 Kongressteilnehmer nach ihrer Definition von Web 2.0. Zehn Prozent antworteten "weiß ich nicht", jeweils zwei Prozent nannten lapiar "Google" und "ein E-Mail-Portal" als Inbegriff von Web 2.0. Zwölf Prozent halten es für eine neue Technologie, 21 Prozent halten dagegen, dass es ja gar nicht so neu ist. Neu Prozent der Befragten gaben an, "cool, kenne ich", mochten sich aber nicht näher festlegen, was es denn nun sei. 44 Prozent sind sich einig, dass Web 2.0 so was wie "ein Portal mit Interaktion" sein muss. Die Kongressbesucher sind übrigens vornehmlich Experten aus dem Online-Handel, von Portalen, Agenturen und Dienstleistern wie AOL, Lycos, Ciao.com, T-Online, 1&1, Karstadt.de und Libri.
Dass sich die Experten nicht ganz einig sind, wundert kaum. Liest man den Artikel bei Wikipedia zu Web 2.0, heißt es da zum Einstieg "Der Begriff Web 2.0 beschreibt eher vage eine veränderte Wahrnehmung und Nutzung des WWW." Und so zählen, je nachdem, wen man fragt, für die einen Ajax-Funktionen wie Google Suggest dazu, andere führen eher Mitmach-Seiten wie Weblogs und Wikis und das MySpace-Phänomen an, während die nächsten auch Ebay und Amazon dazurechnen. Man darf also offiziell verwirrt sein.
Viel wichtiger ist, dass die neuen Anwendungen auch bedienbar bleiben. Manche Webdesigner vergessen über den berauschenden neuen Möglichkeiten, dass selbst-nachladende Ausfüllhilfen in Formularen zum Beispiel eben eine völlig neue Erfahrung für den User sind, die ihn verwirren und vielleicht auch ängstigen ("Was macht es da?").
Websites wie Flickr oder das frisch von Google verschluckte YouTube sprechen mit ihren Tags und Notes und Gruppen den Spieltrieb des Users an. Aber nicht jedem liegt das. Der herkömmliche User nutzt die vielen bunten Buttons und Tags und Weißdergeier gar nicht. Solange die Website dann trotzdem bedienbar bleibt, fein, her mit dem Web 2.0.
Geschrieben von Jacqueline Pohl am 8. November 2006 in Weblife | Permalink
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Kommentare
Die Börse Stuttgarthat jetzt einen "S-Box Web 2.0 Performance-Index" eingerichtet. Er wird von einem "Web 2.0-Komitee" festgelegt. Das stützt sich auf ein 18seitiges Regelwerk, in dem u.a. diese Definition zu finden ist:
"Web 2.0" ist eine neue Form des Internets (Mitmach-Internet), die von den Fachleuten unter diesem Schlagwort zusammengefasst wird. Dabei können Anleger benutzerspezifische Seiten aufrufen und sich selbst zusammenbauen. Einige Ausprägungen sind z.B. Online-Tagebücher, Musik, Shoppingmöglichkeiten, Urlaubsbilder, Videos, Informationen oder Tipps, wobei diese Angebote auf personalisierten oder -baren Internetseiten zu finden sind.
Kommentiert von: Wolfgang Müller | 08.11.2006 21:19:58