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Web 2.0 ist tot!

Der Begriff "Web 2.0" darf vielleicht bald nicht mehr verwendet werden. Jedenfalls, wenn es nach dem US-Medienunternehmen CMP Media geht. Der Wahnsinn um Markenrechte und Schutz von eigentlich allgemeinen Begriffen geht damit in die nächste absurde Runde. Zugegeben, Tom O'Reilly, Chef von CMP Media, hat den Begriff wahrscheinlich sogar erfunden, jedenfall organisiert sein Firma seit 2004 eine jährliche Konferenz unter dem Namen "The Web 2.0 Conference". Jetzt wollte die irische non-profit Industrievereinigung it@cork ebenfalls den Begriff "Web 2.0" im Namen einer Konferenz verwenden und fing sich prompt ein Anwaltschreiben mit Unterlassungerklärung ein.

CMP hat derweil ein Antragsverfahren laufen, um sich "Web 2.0" als Markenzeichen eintragen zu lassen. Geht das durch, dann sind wir bald bei Zuständen wie mit der Fußballweltmeisterschaft - wer "Web 2.0" auch nur denkt, wir sofort verklagt.

Ein entsprechender Beitrag im Blog von Tom Raferty löste einen Sturm der Entrüstung aus. Die Philosophie, die hinter Web 2.0 steht, beruht auf dem Teilen von Wissen, Daten und Erlebnissen. Den Begriff als Markenzeichen zu vereinnahmen, stünde dazu im Widerspruch, meint Raftery. Web 2.0 sei kein eindeutig definierter Begriff, da er nicht für Software stehe, sondern verschiedene Entwicklungen umfasse, wie zum Beispiel Weblogs, Wikipedia oder soziale Networking-Seiten wie MySpace.

CMP hat seine Haltung inzwischen etwas abgeschwächt und erlaubt nun grundsätzlich die Verwendung des Begriffs. In Zukunft müsse aber um Erlaubnis gebeten werden. Nur wer von CMP's Gnaden ist, darf den Begriff also verwenden. Tolle Aussichten.

Interessant wäre noch zu wissen, ob man als kleiner Website-Betreiber überhaupt auch nur eine Antwort von dem Konzern bekommt, wenn man per E-Mail anfragt, ob man in einem Blog-Beitrag "Web 2.0" schreiben darf ...

Geschrieben von Franz Neumeier am 30. Mai 2006 in Weblife | Permalink

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Kommentare

langsam wird es absurd. vielleicht schafft es noch jemand, sich den begriff "internet" schützen zu lassen? der wird garantiert reich dabei. ;->

Kommentiert von: limone | 30.05.2006 15:50:22

Der Unterschied zwischen Servicemark und Trademark ist Euch aber schon bekannt, oder?

Und dass sich die Registrierung von Web 2.0 nur auf Konferenzen bezieht sicherlich auch, womit der Vergleich zur FIFA und dem WM Theater hinfaellig ist?

Kein Mensch braucht zu fragen ob er den Begriff "Web 2.0" in einem Blogeintrag verwenden darf, das ist vollkommener Unsinn.

Vielleicht mal lesen was Tim O'Reilly selber dazu sagt:

http://radar.oreilly.com/archives/2006/05/web_20_service_mark_controvers.html

Leider scheint sehr viel Recht zu haben wenn er schreibt:

"I looked around at all the bloggers who are, to my mind, practicing great journalism, and wrote off the MSM criticism as fear of the new medium. But now I'm not so sure. The flap about the Web 2.0 Conference trademark has shaken my faith in the collective intelligence of the blogosphere. Of all the hundreds of people who commented on this issue, only a few touched base to do a bit of fact checking."

Kommentiert von: Armin | 31.05.2006 12:03:13

Armin,

natürlich habe ich in meinem Beitrag bewußt überspitzt formuliert und natürlich ist mir bekannt, dass das Ganze rein juristisch betrachtet ein ziemlich normaler Vorgang ist. Nur ist das Juristische eben nur eine Seite. Was der liebe Tim O'Reilly vollkommen übersehen hat ist die psychologische Wirkung, die er mit dieser Aktion erzielt. Ich glaube, wenn er vorher daran gedacht hätte, wie das wirkt, hätte diesen lokalen, irische Verband einfach machen lassen und die Sache ganz schnell vergessen.

Ob einm das gefällt oder nicht: Es gibt Themen, von denen läßt man besser die Finger, wenn man sich selbige nicht verbrennen will - selbst wenn man juristisch betrachtet im Recht ist.

Kommentiert von: Franz Neumeier | 31.05.2006 16:26:12

Franz,

nein, Dein Beitrag ist nicht ueberspitzt, sondern falsch. Das ist das Problem.

Es geht nicht um den Begriff "Web 2.0", sondern um den Begriff "Web 2.0 Conference". Das ist ein gewaltiger Unterschied, nicht nur eine juristische Spitzfindigkeit.

In der Blogosphere (und gerade hier in Deinem Beitrag) wird bewusst oder unbewusst der Eindruck erzeugt, dass man den Begriff "Web 2.0" generell nicht verwenden duerfe weil das eine Marke waere. Man braeuchte eine Erlaubnis den Begriff zu verwenden etc pp.

Das ist kompletter Unsinn und auch gleichzeitig das Problem, da sich dieses "Geruecht" wie in der Blogosphere ueblich schoen weiter verbreitet ohne dass ein Grossteil der Blogger mal nachsieht ob das ueberhaupt stimmt.

Und da muss ich Tim O'Reilly leider voll zustimmen dass ich meinen Glauben in die Intelligenz der Blogosphere wieder ein kleines bisschen verloren habe.

Kommentiert von: Armin | 01.06.2006 11:39:31

Armin,

dann habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Die juristischen Zusammenhänge sind und waren mir schon klar. Das Problem ist aber vielleicht sogar ein Blogsphere-immanentes: Solche juristischen Zusammenhänge sind komplex und letztlich nicht geeignet für ein locker-flockiges Medium, in dem persönliche Meinungen und Subjektivität vorherrschen und nicht tiefe journalistische Recherche.
Der Punkt ist für mich gerade bei diesem Thema (das ja schon hochgekocht war, bevor ich etwas dazu geschrieben habe), dass eben gar nicht mehr entscheidend ist, was juristisch korrekt ist. Entscheidend ist, oder war zumindest für mich, als ich den Beitrag schrieb, wie das Ganze beim Publikum, den Usern, der Blogsphere ankommt. Und, sorry, es ist verheerend angekommen und ein schlauer Mann wie Tim O'Reilly hätte das vorhersehen können und sollen. Deshalb sage ich ganz brutal: Selbst schuld, wenn der Wahnsinn dann so über ihn hereinbricht. Ja, auch wenn er rein juristisch gesehen nichts böses getan hat ...
Aber noch in Argument hinterher: Klar, erst einmal geht es nur um den Begriff "Web 2.0 Conference". Trotzdem bleibt "Web 2.0" für mich ein Begriff des Allgemeingutes und ich sehe absolut nicht ein, warum ich solche Wörter nur in bestimmten Formulierungen, in anderen aber nicht verwenden dürfen soll. Ähnlicher Fall war der liebe Herr von Grafenreuth mit seiner Abmahnwelle gegen alles, das irgendwie den Begriff "Explorer" in Kombination mit anderen Wörtern verwendet hat. Wenn ich jedes Mal erst in einem sich täglich aktualisierenden Wörterbuch nachsehen muss, in welchen Kombinationen ich bestimmte alltägliche Wörter nicht verwenden darf, dann ist's vorbei mit freiheitlicher Welt und freier Kommunikation. Okay, das ist etwas übertrieben, aber ich glaube, es kommt rüber, was ich meine :-)

Kommentiert von: Franz Neumeier | 01.06.2006 15:00:48

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